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Interview mit Pfarrerin Christine Zahradnik

Zwei Jahre Leitung der Notfallseelsorge im Main-Taunus-Kreis

Nora HechlerPfarrerin Christine Zahradnik, Leiterin der Notfallseelsorge im Main-Taunus-KreisPfarrerin Christine Zahradnik

Seit zwei Jahren ist Pfarrerin Christine Zahradnik inzwischen die Leiterin der Notfallseelsorge im Main-Taunus-Kreis. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen und was sich seither geändert hat.

„Zu Anfang habe ich erst einmal viele Einzelgespräche mit Teammitgliedern geführt, um ein Gefühl für sie zu bekommen. Das erste Ziel war die Ausbildung neuer Notfallseelsorgerinnen und –seelsorger“, erzählt sie. Außer ihr sind alle im Team ehrenamtlich tätig. Sie kommen aus den verschiedensten Berufsgruppen. An 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr, stellen immer jeweils drei Diensthabende die Versorgung durch die Notfallseelsorge und die Organisation der Einsätze sicher. Sie werden an Unfallstellen oder zu den Menschen nach Hause gerufen, um zum Beispiel Hinterbliebene nach unerwarteten Todesfällen zu begleiten.

„Seit 2020 konnten wir dreißig neue Ehrenamtliche ausbilden, so dass das Team inzwischen etwas mehr als fünfzig Kräfte umfasst“, erklärt Zahradnik, „und der nächste Kurs ist schon in Planung“. Die Qualifikation für die Mitarbeit in der Psychosozialen Akuthilfe ist durch ein Curriculum des Bundesverbands geregelt. Nach der theoretischen Ausbildung folgt eine Hospitationsphase, in der erste Einsatzerfahrungen an der Seite erfahrener Kolleginnen und Kollegen gesammelt werden. Zusätzlich hospitieren alle danach ein bis zwei Schichten bei Polizei, Rettungsdienst und auf der Leitstelle des Main-Taunus-Kreises, um ein Verständnis für alle Kooperationspartner bei Einsätzen zu bekommen. Aus Sicht von Christine Zahradnik gibt es drei wesentliche Voraussetzungen, die man für die Tätigkeit in der Notfallseelsorge mitbringen sollte: „Ich muss Menschen lieben. Es muss mich anrühren, was sie erleben. Selbstfürsorge ist genauso wichtig, damit ich für andere sorgen kann. Und Teamfähigkeit ist in diesem speziellen Bereich sehr wichtig. Ich muss mich im Team einordnen können, Strukturen akzeptieren und die mir zugewiesene Rolle übernehmen“. Wichtig für die eigene Psyche der Einsatzkräfte ist eine gute Einsatznachsorge. Nach jedem Einsatz gibt es ein Nachgespräch. Regelmäßig wird auch Supervision angeboten. Im Jahr 2020 wurde die Notfallseelsorge zu rund einhundert Einsätzen gerufen, das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Die Vergrößerung des Teams ermöglicht es, dass inzwischen immer Zweierteams zu den Einsätzen fahren. Das hat verschiedene Vorteile. „Man hat unterschiedliche Zugänge zu den Menschen. Meist muss man sich sowieso um mehrere Angehörige kümmern. Und man kann direkt danach schon mal das Erlebte miteinander besprechen, was ein erster und wichtiger Schritt zur Verarbeitung von unter Umständen belastenden Einsätzen ist“, erzählt Zahradnik.

Ein großer Wunsch des Teams, den sie direkt zu Beginn ihrer Leitungstätigkeit, anfing in die Tat umzusetzen, war die Bildung eines Leitungsteams. Dieses ist beratend tätig und arbeitet gemeinsam mit ihr an Strukturen und Konzepten. „Wir haben Aufgaben umverteilt und Zuständigkeiten zugeordnet. Das setzt ein wichtiges Zeichen, dass man die Ehrenamtlichen ernst nimmt. Und ist für mich auch ein ganzes Stück entlastend“, so Zahradnik. Neben ihrer Tätigkeit im Dekanat Kronberg ist sie Pfarrerin für Notfallseelsorge in den Dekanaten Wetterau und Groß-Gerau-Rüsselsheim. Ihr Fazit nach den ersten zwei Jahren in diesem Amt: „So gerne ich Gemeindepfarrerin war, bin ich Pfarrerin für Notfallseelsorge. Es ist eine Betreuung hoher Intensität in einer akuten Phase. Wir begleiten Menschen in Momenten, wo deren Leben in der bisherigen Form zusammen gebrochen ist. Das ist mit der begleitenden Seelsorge in der Gemeinde nicht vergleichbar. Die große Stärke der Notfallseelsorge ist, dass wir die Möglichkeit haben, in der akuten Krisensituation für die Menschen da zu sein. Wir können Kirche und Begleitung zu den Menschen bringen und ihnen so als Kirche in den bis dahin schlimmsten Stunden ihres Lebens beistehen“, erklärt Zahradnik. „In der Folge der Flutkatastrophe haben zum Beispiel sechs Teammitglieder die Arbeit der Notfallseelsorge- und Kriseninterventionsteams im Aartal unterstützt“, ergänzt sie. Natürlich sei die Arbeit selbst eine andere Belastung, aber deswegen sei eben die Einsatz-Nachsorge so wesentlich. „Wenn ich die Situation verlasse, kann ich das für mich in der Regel aber abschließen und gehe in mein relativ heiles Leben zurück. Auch wenn es natürlich Einsätze gibt, deren Bilder, Geschichten und Eindrücke einem im Gedächtnis bleiben“, erzählt sie.

Die Corona-Pandemie hat natürlich auch die Notfallseelsorge beeinträchtigt. Die Ausbildung musste zu großen Teilen per Video weiter geführt werden. Dadurch waren weniger praktische Übungen möglich. Zudem musste entsprechende Schutzausrüstung für die Einsätze besorgt werden, die Mitarbeitenden mussten zu Beginn jeder Bereitschaft getestet werden. Auch für die Teamtreffen musste man sich über lange Zeit mit Videomeetings behelfen. In den vergangenen Monaten wurden alle Notfallseelsorgerinnen und –seelsorger mit Einsatzausrüstung ausgestattet. Dazu gehören neue Jacken, mit denen sie erkennbar sind, sowie ein Rucksack mit Material für Einsätze und den Eigenschutz wie Einmalhandschuhe, Mund-Nase-Schutz und Desinfektionsmittel.  Bei einem Team von mehr als 50 Personen kommen da schnell mehrere tausend Euro an Kosten zusammen. Daher ist die Notfallseelsorge auf Spenden angewiesen und freut sich über Unterstützung auf das Spendenkonto: Ev. Dekanat Kronberg, IBAN: DE48 5206 0410 0004 1002 04, BIC: GENODEF1EK1, Verwendungszweck: Notfallseelsorge.

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