Einzelansicht - Dekanat Kronberg

Dekanat Kronberg

Angebote und Themen

Herzlich Willkommen! Schauen Sie, welche Angebote des Dekanates Kronberg zu Ihnen passen. Über das Kontaktformular sind wir offen für Ihre Anregungen.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Nachruf der Bad Sodener Kirchengemeinde

Pfarrer i.R. Franz Ferdinand Olschewski verstorben

Kirchengemeinde Bad SodenPfarrer i.R. Franz Ferdinand Olschewski 1941 - 2020Pfarrer i.R. Franz Ferdinand Olschewski 1941 - 2020

Am Montag, dem 23. März, ist Pfarrer i.R. Franz Ferdinand Olschewski in seiner Dresdener Wohnung und umgeben vom Kreis seiner Familie gestorben. Er wurde 78 Jahre alt. Von 1977 bis 2001 war er als Inhaber der Pfarrstelle Süd Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Soden.

Als er am 19. Juni 1977 in der Bad Sodener Kirche seine Antrittspredigt hielt, legte er in dieser ein Wort des Apostels Paulus aus dem 1. Brief an die Korinther aus: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (3,11). Und als er sich im Gottesdienst am Kirchweihsonntag 2001 von der Gemeinde verabschiedete, da war es wieder dieses Pauluswort, über das er gepredigt hat. „Jesus Christus ist das Zentrum des Glaubens, sein Dreh- und Angelpunkt“ – das war Pfarrer Olschewskis Grundüberzeugung.

Im Gemeindebrief 8-9 2001 führte er davon ausgehend dann im weiteren aus: „Der Apostel Paulus vergleicht in dem dritten Kapitel des ersten Korintherbriefs die Gemeinde mit einem Garten, in dem gepflanzt, gegossen und gearbeitet wird. Für ihn ist klar, dass es nicht nur wichtig ist, wer darin arbeitet, sondern dass der Boden gut ist, auf dem gearbeitet wird. Also: Nicht nur auf einen guten oder schlechten Pfarrer kommt es an, sondern vor allem auf einen guten oder schlechten Boden!“  Dass die Sodener Gemeinde ein guter Boden ist, davon ist Pfarrer Olschewski immer ausgegangen, sonst wäre er nicht 24 Jahre auf seiner Pfarrstelle geblieben.

Schwerpunkte seiner Gemeindearbeit waren in baulicher Hinsicht der Um- und Anbau des Gemeindehauses Ende der 80er Jahre (jetzt aktuell steht dessen nächste Renovierung an) und die Kirchenrenovierung Mitte er 90er Jahre. Seinerzeit wurden die Emporenbilder freigelegt. Einen inhaltlichen Schwerpunkt legte er auf die Weiterentwicklung der Diakonie, die Ökumenische Diakoniestation Vortaunus wurde 1989 gegründet, einen anderen Schwerpunkt bildete die Jugendarbeit. Das Jugendcafé kam 1983 die Trägerschaft der Kirchengemeinde, im frisch renovierten Gemeindehaus blühte der von Marianne Wehle geleitete Jugendkreis. Und auf dessen Fahrten zur Jugendburg Hohensolms wurde dann oft bis in die frühen Morgenstunden heftig diskutiert und um die Wahrheit gerungen.

Dieses Ringen um Wahrheit und Wahrhaftigkeit war auch für Pfarrer Olschewskis theologisches Selbstverständnis zentral: „Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass mir die theologischen Erkenntnisse Rudolf Bultmanns sehr geholfen haben. Auch wenn die Fragen der Entmythologisierung heute längst nicht mehr im Zentrum der Diskussionen an den Universitäten und in den Gemeinden stehen - sie haben viel bei mir bewirkt. Als ich 1979 in einer Predigt die Speisung der 5000 nicht als ein übernatürliches Wunder interpretierte, das man glauben müsse, sondern als Zeichen, als Hinweis auf das Abendmahl und das ‚Sattwerden‘ des Menschen in geistlicher Hinsicht, wurde ich empört von einer Gottesdienstbesucherin angerufen, die mit dieser Interpretation Fundamente des Glaubens wanken sah. Es war bisweilen schwer zu vermitteln, dass ein Glaube an den lebendigen Christus eines solchen ‚Buchstabenglaubens‘ nicht bedurfte. Ursprünglich hatte ich mit dem Studium der Philosophie und Soziologie in Frankfurt bei Horkheimer und Adorno begonnen, bis mich ein Freund nach Marburg holte und neugierig auf theologische Fragen machte. Ich habe dies nie bereut! Diese Weite des Glaubens, diese Freiheit eines Christenmenschen, von der Martin Luther so viel zu reden wusste – dies sollte in den vielen Ansprachen und Predigten in all den Jahren deutlich geworden sein“ (UG 2001 8-9).

Franz Ferdinand Olschewski wurde am 16. September 1941 im ostpreußischen Weiler Gulbensee im Landkreis Goldap geboren. Als der Krieg für das Deutsche Reich verloren ging, musste die Familie vor der Roten Armee in den Westen fliehen. Aufgewachsen ist Franz Ferdinand Olschewski im Nassauischen, im Dörfchen Fürfurt an der Lahn, wo er auch konfirmiert wurde. Nach dem Studium in Frankfurt und Marburg ging er ins Lehrvikariat nach Bad Nauheim, es folgten Ordination und Pfarrvikariat in Darmstadt-Eberstadt. Noch als Pfarrvikar wechselte er nach Beerfelden im Odenwald, wo er zum Pfarrer ernannt wurde. Und von dort ging es 1977 nach Bad Soden, für fast ein Vierteljahrhundert. Die Familie Olschewski wohnte mit ihren sechs Kindern im Pfarrhaus in der Händelstraße, nur für die letzten beiden Amtsjahre bezog das Ehepaar Olschewski das damals neu hergerichtete Pfarrhaus neben der Kirche.

In seinen ersten Ruhestandsjahren – wiederum in Fürfurt – engagierte sich Franz Ferdinand Olschewski in der örtlichen SPD, dann erfolgte der Umzug nach Dresden, in die Nähe der Familie seiner jüngsten Tochter. Vier Enkel galt es da mitzubetreuen, die schönste Erfahrung im Ruhestand. Zuletzt ließen die Kräfte stark nach, erst ein Unfall und dann die unheilbare Krankheit bestimmten seine letzten Monate und Wochen. Nun ist er gestorben und auch wir nehmen Abschied. Wegen der aktuellen Situation wird es bis zur Trauerfeier noch dauern. Aber wenn diese dann in Dresden sein wird, werden in Bad Soden die Kirchenglocken läuten: als ein Gruß der Gemeinde an ihren verstorbenen Pfarrer, als ein Gruß in die Ewigkeit.   

Pfarrer Dr. Achim Reis

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top