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100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkriegs

Evangelische Kirchen Europas: Fürbitte und Friedenspapier

© Getty Images, taiceFriedensstaube"Der Gott des Friedens aber sei mit euch allen!" (Röm 15,33)

Am 11. November 1918 endete mit einem Waffenstillstand der Erste Weltkrieg. Bis dahin hatte der Krieg 17 Millionen Menschenleben gefordert. Diese verheerenden Auswirkungen haben die evangelischen Kirchen Europas zu einem selbstkritisch-kritischen Rückblick und der Formulierung eines „Friedenspapiers“ veranlasst.

Zum ersten Mal haben die evangelischen Kirchen in Europa ein gemeinsames „Friedenspapier“ veröffentlicht. Unter dem Motto „Gemeinsames Erinnern“ erinnern sie an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und sein schweres Erbe. „Angesichts der verheerenden und langfristigen Auswirkungen des Krieges wissen die Kirchen um die Bedeutung des Einsatzes für den Frieden und der zivilen Konfliktprävention“, heißt es in dem von der 8. Vollversammlung der Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) in Basel verabschiedeten Dokument. Zum Jahrestag des Kriegsendes am 11. November werden die evangelischen Christinnen und Christen sowie Kirchen in Europa gebeten, in der Fürbitte an das Kriegsende zu denken:

 

Fürbittgebet

 

Zusammen mit unseren Geschwistern in ganz Europa denken wir heute an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren und bitten Gott um seinen Frieden.

Gott, Dein Wort verheißt Frieden und Gerechtigkeit, Trost und Barmherzigkeit.Wir denken vor Dir an das Leid und den Schrecken des Großen Krieges in ganz Europa, der vor 100 Jahren zu Ende gegangen ist.

Wir denken an Millionen Frauen, Kinder, Männer, die ermordet, verhungert, verstümmelt und vertrieben wurden. Wir denken an die Schuld unserer Vorfahren, die sie auf sich geladen haben, weil sie meinten, ein Krieg könnte Probleme lösen und Recht schaffen.Wir bitten Dich: Erbarme Dich.

Gott wir sehnen uns nach Frieden und Gerechtigkeit, nach Trost und Barmherzigkeit. Mache uns zu Friedensstiftern. Schenke uns die Kraft und den Mut, in unsere Gesellschaften Deine Botschaft von Frieden und Versöhnung hinein zu tragen. Hilf uns, beisammen zu bleiben als Deine Kinder in Europa und darüber hinaus.Wir bitten Dich: Erbarme Dich.
zum vollständigen Gebet (PDF)

 

Neue Ungerechtigkeiten erzeugt

 

In dem evangelischen Friedenspapier heißt es: „Heute, in einer Zeit, in der die auseinanderstrebenden politischen Kräfte in Europa wieder deutlich zunehmen, erkennen evangelische Kirchen in Europa es als bleibende Aufgabe, sich für das friedliche Zusammenleben in einem gemeinsamen Europa einzusetzen.“  In dem Dokument geht es um Schuld, Versöhnung, Flucht, Migration, Minderheiten sowie Demokratie und Zivilgesellschaft. Territoriale Veränderungen und Grenzziehungen, zerfallende multiethnische Großreiche und neu entstehende Staaten hätten in Europa und im Nahen Osten zu neuen Ungerechtigkeiten und Verwerfungen geführt. Das habe bis heute erheblichen Auswirkungen, so die GEKE. Durch die Friedensschlüsse vor 100 Jahren sei kein Frieden entstanden. 

 

Millionen Opfer

 

In viereinhalb Jahren hatte der Erste Weltkrieg 17 Millionen Menschenleben gefordert. Allein durch den zermürbenden Stellungskrieg bei Verdun starben 240.000 deutsche sowie 275.000 französische und englische Soldaten. Aber auch die Zivilbevölkerung war betroffen. Schätzungsweise sollen mehrere hunderttausend Menschen an Unterernährung gestorben sein - vor allem Kinder und ältere Menschen. Das Blutvergießen hatte mit einer Kriegserklärung Österreichs-Ungarns an Serbien begonnen. 36 weitere Länder waren von diesem Krieg betroffen, selbst Länder wie China und Panama. Vor allem in europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien, dem Deutschen Kaiserreich, Italien, Rumänien und weiteren Ländern hatten Soldaten zu den Waffen gegriffen.

 

Selbstkritik: Rolle der Kirchen im Ersten Weltkrieg

 

Angesichts dieses Ausmaßes reflektieren die evangelischen Kirchen auch ihre eigene Rolle vor über hundert Jahren. Sie fragen selbstkritisch, wo Kirchen die Begeisterung für den Krieg unkritisch betrachtet oder sie gar unterstützt und mitentfacht haben. Oder wo sie so sehr dem Zeitgeist verhaftet waren, dass sie ein politisches System weltanschaulich-theologisch legitimierten. Minderheitenrechte seien bis heute vor allem in Mittel-, Süd- und Osteuropa ein Thema. Dort sei Kirchen in der Diaspora oft die Aufgabe zugewachsen, neben der konfessionellen auch die kulturelle Identität der Mitglieder zu bewahren. 

 

Migration und Flucht – damals und heute

 

Flucht und Migration nach dem Ersten Weltkrieg mit bis zu 9,5 Millionen aus- und umgesiedelten Menschen werden genauso als epochales Ereignis gesehen wie die derzeitige „Zuwanderung von Flüchtlingen“ in Europa. Gefordert wird „eine gemeinsame europäische, an den Werten der Menschenrechts- und Flüchtlingskonventionen ausgerichtete Politik“. Und wer Migration verhindern wolle, komme „um die Frage nicht herum, wie unsere europäische Wirtschafts-, Handels- und Agrarpolitik heute Migration aus anderen Erdteilen und Regionen nach Europa mitverursacht“. Die Kirchen werden gebeten, die Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung lebendig zu halten und für Demokratie und Rechtstaatlichkeit und deren Stärkung auf allen staatlichen Ebenen einzutreten. 

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