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Ein Erfahrungssbericht von Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp

Ein Jungbläser mit 58 Jahren …

M. ReußDekan Dr. Martin Fedler-RauppDekan Dr. Martin Fedler-Raupp

Nächsten Sonntag bin ich zum ersten Mal dabei. Ich darf mitspielen, wenn der Posaunenchor den Gottesdienst in Lorsbach begleitet. Ein Jungbläser mit 58 Jahren – wie kam es dazu?

Bild: Matthias SchädlichDekan Dr. Martin Fedler-Raupp bei der Open Air--Probe des Posaunenchors (links im Bild)Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp bei der Open Air--Probe des Posaunenchors (links im Bild)

Vor 40 Jahren habe ich begonnen, Posaune zu lernen. In Oberursel hat mir Pit Weigand das Spielen beigebracht. Zu einem längeren Einsatz im Posaunenchor aber ist es damals – im Jahr vor meinem Abitur – nicht gekommen.

Danach war viel zu tun: Das Studium, der Beginn im Beruf als Pfarrer, die Gründung unserer Familie, der Dienst in den Gemeinden. Die Gitarre, das Klavier und meine Stimme waren im Dauereinsatz. Zeit, ein weiteres Instrument zu lernen, blieb nicht. Und als die Zeit dazu endlich kam, war zuerst nicht die Posaune, sondern das Saxophon das Instrument meiner Wahl.

Doch die Musik der Bläserchöre erfreute weiter mein Herz. In Haiger, meiner ersten Pfarrstelle, leitete Gerhard Wunderlich den Posaunenchor. In Kelsterbach erlebte ich den Bläserchor unter Ernst Freese. Begeistert war ich, wenn festliche Intraden erklangen oder die Choräle der Gemeinde stimmungsvoll von Bläsern begleitet wurden. Der Klang von dreitausend Trompeten und Posaunen beim Abschlussgottesdienst des Kirchentags überwältigte mich.

Die Begeisterung für die Musik der Bläser begleitete mich auch, als ich 2012 zum Dekan im Dekanat Kronberg gewählt wurde. Im Dekanat hörte ich oft Bläser-Chöre, die Gottesdienste und Feiern musikalisch gestalteten. Hinzu kam, dass mein Bruder und seine Söhne sowie ein Freund aus Schultagen mittlerweile selbst das Posaunenspiel für sich entdeckten. Lutz, mein Freund, erlaubte mir, sein Instrument zu erproben; und siehe da, es war noch so etwas wie ein Ansatz zu erkennen.

„Wir suchen Nachwuchs, gerade bei den Posaunen“, hörte ich wenig später einen Kantor sagen. Ein paar Wochen zogen ins Land. Dann sprach ich Katharina Bereiter, unsere Dekanats-Kantorin, an: „Soll ich wieder beginnen Posaune zu spielen?“ – „Ein Instrument könnte ich Ihnen leihen“, lautete die prompte Antwort. „Und Unterricht?“ – „Ich frage Ulrike Klein. Vielleicht mag sie den Unterricht übernehmen.“

Auf einmal ging alles ganz schnell. Katharina Bereiter brachte ihre Posaune mit ins Dekanat. Über eine Mail nahm ich Kontakt mit Ulrike Klein auf. „Wir schauen mal, ob das passt“, verabredeten wir. Es passte: Ende Mai 2019 begann der Unterricht. Ich übte so regelmäßig und so häufig, wie möglich. Gab es Wochen, in denen ich wenig Zeit und Muße zum Üben hatte, dann war der Unterricht umso intensiver: Einblasen, Bindeübungen, Stoßübungen, die ersten Tonleitern, einfache Stücke.

„Und wie ist es? Am 10. März ist unsere nächste Probe – spielst du mit?“ Das war der Satz, auf den ich zehn Monate hingearbeitet hatte. Zum Gemeindehaus in Lorsbach kam ich um 19.15 Uhr. Ich traf die anderen Bläserinnen und Bläser. Die Probe begann. Ich war dabei. Die Vorbereitungszeit zu Hause, das viele Üben hatte sich ausgezahlt: Die meisten Stücke konnte ich mitspielen. Wie im Fluge vergingen für mich die nächsten neunzig Minuten. Ich durfte dabei sein, den runden Sound der Bläser nicht nur hören, sondern ihn auch aktiv mitgestalten. Tiefe Freude erfüllte mein Herz.

Was ich in diesem Moment nicht wusste: Für einige Monate war dies die erste und die letzte Probe. Auch uns Bläserinnen und Bläsern und unserem gemeinsamen Üben machte Corona einen dicken Strich durch die Rechnung. Doch Ulrike Klein unterrichtete mich weiter, über Video in der Zeit des Shut Down; und im direkten Unterricht, natürlich mit Abstand, als das wieder erlaubt war.

Im Juni, drei Monate später, ging es dann endlich wieder los: Unter freiem Himmel übten wir zusammen im Garten des Familienzentrums Langenhain. Die Orte, an denen wir uns im Freien treffen, wechseln sich in diesen Wochen ab: Der Garten der KiTa in Hofheim, die Bonifatiuskapelle in Kriftel, der Pfarrgarten in Lorsbach, das Labyrinth des Exerzitienhauses der Franziskaner. – Und nächsten Sonntag ist es endlich so weit: Zum ersten Mal darf ich mitspielen, wenn der Posaunenchor den Gottesdienst in Lorsbach begleitet: Ein Jungbläser mit 58 Jahren.

Dr. Martin Fedler-Raupp

 

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